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Internetpionier John Perry Barlow gestorben: Eine Ode an einen Kämpfer für das freie Internet

Ich habe mir ein Jahr lang eine Pause vom Bloggen genommen, doch als ich gelesen habe, dass der Musiker und Internetpionier John Perry Barlow vor zwei Tagen gestorben ist, habe ich mich wieder daran erinnert, wie wichtig es ist zu schreiben, zu bloggen, seine Gedanken zu teilen – denn all das sind Dinge, die zu dem freien und demokratischen Internet beitragen, von dem Barlow geträumt hat. 

Genau am heutigen Datum im Jahr 1996 hat John Perry Barlow seine “Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace” verfasst, also zu einem Zeitpunkt, als das Medium noch in seinen Kinderschuhen steckte. In seinem Text hat er gehofft, dass das Internet ein freier Raum werde, in dem jeder seine oder ihre Meinungen teilen kann, ohne dass sich die Mächtigen dieser Welt einmischen. Heute im Zeitalter der NSA, Überwachung und großen Konzernen wie Google hat sich das Netz meiner Meinung nach zum Schlechteren gewendet und es hat sich in eine Richtung entwickelt, von der Barlow enttäuscht wäre.
Trotzdem denke ich, dass jeder seinen Teil dazu beitragen kann, um für das Internet zu kämpfen, das sich Barlow vorgestellt hatte.

Hier könnt ihr Auszüge aus seiner “Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace” lesen und euch davon inspirieren lassen, so wie ich einst davon inspiriert wurde (your life will never be the same):

“Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. […] Lasst uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht willkommen. Wo wir uns versammeln, besitzt ihr keine Macht mehr.
Wir haben keine gewählte Regierung. Der globale soziale Raum (der Cyberspace) ist unabhängig von eurer Tyrannei. Wir haben euch nicht eingeladen. Der Cyberspace liegt nicht innerhalb Eurer Hoheitsgebiete.

Der Cyberspace wächst durch kollektive Handlungen. Ihr habt nicht den Reichtum unserer Marktplätze hervorgebracht. Ihr wollt unsere Probleme lösen, die wir gar nicht haben. Das dient Eurer Invasion in unser Reich als Legitimation. Wir lösen unsere Konflikte mit unseren eigenen Mitteln.
Der Cyberspace besteht aus Beziehungen, Transaktionen und dem Denken selbst, positioniert wie eine stehende Welle im Netz der Kommunikation. Diese Welt können alle betreten, unabhängig von Rasse, Macht oder Herkunft.

Eure Rechtsvorstellungen von Eigentum, Redefreiheit, Persönlichkeit, Freizügigkeit und Kontext treffen auf uns nicht zu. Sie alle basieren auf der Gegenständigkeit der materiellen Welt. Es gibt im Cyberspace keine Materie.
Unsere persönliche Identitäten haben keine Körper und demnach keine Regelung durch physische Gewalt. Wir glauben daran, dass unsere Regierungsweise sich aus der Ethik, dem aufgeklärten Selbstinteresse und dem Gemeinschaftswohl eigenständig entwickeln wird.

In den USA wurde mit dem „Telecommunications Reform Act“ ein Gesetz geschaffen, das Eure eigene Verfassung und die Träume von Washington, Jefferson etc. beleidigt. Diese Träume müssen nun ins uns wiedergeboren werden.
Ihr erschreckt euch vor Euren eigenen Kindern, weil sie Eingeborene einer Welt sind, in der Ihr stets Einwanderer bleiben werdet. Weil Ihr sie fürchtet, übertragt Ihr auf Eure Bürokratien die elterliche Verantwortung, die Ihr zu feige seid, selber auszuüben.
In China, Deutschland, Russland, Frankreich, Italien, Singapur und in den USA versucht Ihr den Virus der Freiheit abzuwehren, indem Ihr Wachposten an den Grenzen des Cyberspace postiert. Sie werden die Seuche für eine Weile eindämmen können, aber sie werden ohnmächtig sein in einer Welt, die schon bald von digitalen Medien umspannt sein wird.

In Amerika werden Gesetze vorgeschlagen, die noch die Rede weltweit als Besitz definiert, um die obsoleten Informationsindustrien am Leben zu erhalten. Diese Gesetzte würden Ideen als nur ein weiteres industrielles Produkt erklären. In unserer Welt darf alles, was der menschliche Geist erschafft, kostenfrei reproduziert werden. Die globale Vermittlung von Gedanken ist nicht länger auf Eure Fabriken angewiesen.
Die zunehmenden feindlichen und kolonialen Maßnahmen versetzen uns in die Lage früherer Verteidiger von Freiheit und Selbstbestimmung, die die Autoritäten ferner und unwissender Mächte zurückweisen mussten.

Wir werden im Cyberspace eine Zivilisation des Geistes erschaffen. Möge sie humaner und gerechter sein als die Welt, die Eure Regierungen bislang errichteten.”

Quelle:
Barlow, John Perry (2012) Unabhängigkeitserklärung des Internets. In: Kemper, Peter/Mentzer, Alf/Tillmanns, Julika (Hg.) Wirklichkeit 2.0. Medienkultur im digitalen Zeitalter. Stuttgart: Reclam, S. 254-257.
Originaltext in Englisch: Electronic Frontier Foundation (https://www.eff.org/cyberspace-independence)

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